Vor 30 Jahren wurde die Volksgruppe der Roma anerkannt. Gegen Diskriminierung kämpft man heute nach wie vor, aber das Selbstbewusstsein ist gewachsen.
„Wir wollten ein Teil der Gesellschaft sein und zum Glück haben wir den Schritt gewagt“, erinnert sich Josef Schmidt an jene Zeit in den späten 80er-Jahren, wo in Oberwart die erste Roma-Bewegung in Österreich gegründet wurde.
Protest gegen Zutrittsverbot in Diskothek
Der gemeinsame Protest gegen ein Zutrittsverbot in einer Diskothek in Oberwart brachte 1987 auch den Stein ins Rollen, der schließlich zur Anerkennung der Volksgruppe der Roma und Sinti am 16. Dezember 1993 führte und der den Roma fortan das Recht auf besonderen Schutz, um ihre Kultur, Sprache und Identität zu bewahren, gab. „Wir haben kein Mutterland, welches unseren Schutz übernimmt. Österreich ist nicht unser Gastland, sondern unser Vater- und Mutterland zugleich“, hieß es in dem Appell der Roma-Vertreter Emmerich Gärtner-Horvath und Rudolf Sarközi, der als treibende Kraft der Anerkennung galt.
1995 der wohl schrecklichste Punkt in der Nachkriegsgeschichte
Im Jahr 1995 wurde auch die Einrichtung eines eigenen Volksgruppenbeirates festgelegt. Als Vorreiter bewies sich Österreich im selben Jahr, welches beim EU-Beitritt das einzige Land in der Europäischen Union war, das den Roma einen solchen Schutz zugestand. Gleichzeitig markierte das Jahr 1995 den wohl schrecklichsten Punkt in der Nachkriegsgeschichte: Bei einem am 5. Februar 1995 verübten Attentat in Oberwart wurden vier Roma, durch eine Rohrbombe des rechtsradikalen „Briefbombers“ Franz Fuchs, getötet.
Diskriminierung nach wie vor Thema
30 Jahre später heißt es von den Roma-Vertretern im Hinblick auf Projekte, wie die Kodifizierung der Sprache, die außerschulische Nachmittagsbetreuung, der Aufnahme des Romani ins burgenländische Minderheitenschulgesetz oder Arbeitsmarktprojekten, dass sich vieles zum Besseren gewendet hat. Mit Ausgrenzung und Diskriminierung hat man aber nach wie vor zu kämpfen. „Dass es keinen institutionellen Rassismus mehr gibt, ist aber ein Zeichen von harter Arbeit. Es braucht aber noch mehr als die Anerkennung am Papier“, sagt Tina Nardai.
Roma müssen ein Teil der Gesellschaft sein
Das gemeinsame Ziel, ist auch Volksgruppenvorsitzender Emmerich Gärtner-Horvath überzeugt, muss sein, dass die Volksgruppe der Roma einen vollkommenen Platz in der Gesellschaft bekommt. „Sei dies am Arbeitsplatz oder im Bildungsbereich - meine Volksgruppe darf keine Nachteile haben, wenn sie zu ihrer Identität steht“, so Gärtner-Horvath. Derzeit sind Volksgruppenbeirat und Roma-Organisationen auch bemüht, eine nationale Gedenkstätte in Wien zu errichten.
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